Donnerstag, 16. November 2017

Maronireis

In meinem Posting zum Kastanienfest in Klostermarienberg hat man ja gesehen, dass man dort wunderbare Maroni zu kaufen bekommt. Ich kann ja nie die Finger davon lassen und habe wieder ordentlich eingekauft. Und daheim dann das große Schimpfen beim Schälen der Maroni. Auch wieder jedes Jahr dasselbe Theater!

Grundsätzliches: Den Unterschied zwischen Maroni und Esskastanien habe ich ja schon in dem oben verlinkten Posting erklärt. Wie man Maroni einschneidet, habe ich auch bei den Kästenklaubern (denen, die die Maroni in Liebing für das Maronifest sammeln) gelernt und ebenfalls schon gepostet: Maroni-Carbonara. Leider schmecken die Dinger wirklich besser, wenn man sie röstet. Und Maroni, richtige Maroni zu schälen, wenn sie ausgekühlt sind? Kann man vergessen! Die Innenhaut bekommt man im Leben nicht gründlich aus den Maroni heraus, wenn die nicht heiß sind.

Man braucht nicht lange drumherum reden: Es ist eine Heidenarbeit, bis man die Maroni so weit hat, dass man daraus Maronireis machen kann. Ich glaube, ich muss im kommenden Jahr einen Versuch mit vakuumierten Esskastanien machen, ob da wirklich so viel Unterschied ist, wie ich mir einbilde.

Einige hundert Jahre alter Kastanienbaum in Liebing



Für 4 Portionen:
1 kg Maroni (gewogen samt Schale)
2 x ¼ l Schlagobers
250 g Kristallzucker
1 ausgekratzte Vanilleschote
1 Stamperl Rum (ÖsterreicherInnen nehmen Inländer-Rum, damit es "echt" schmeckt, Menschen mit noch nicht verdorbenem Geschmack nehmen vernünftigen, guten, richtigen Rum)
100 ml Wasser

Schokosauce:
200 ml Wasser
125 g Zucker
40 g Kakaopulver
30 g Zartbitterschokolade, gehackt


Die Maroni einschneiden und im Backrohr bei 180 Grad ca. eine Stunde backen. Meine sind wirklich recht groß, also kann es sein, dass andere schneller fertig sind. Man sieht das recht gut, denn wenn die Schale schön weit auseinandergeht, dann sind die Maroni gar.

Dann geht es sofort ans Schälen! Gummihandschuhe helfen ein wenig gegen die Hitze, aber es ist natürlich immer noch heiß genug. Wenn die Maroni dabei zerbröseln, dann ist das kein Problem, denn die bleiben eh nicht ganz.

100 ml Wasser mit dem Zucker aufkochen. Wenn der Zucker aufgelöst ist, Vanilleschote und Maroni dazugeben. Vom Feuer ziehen. 1 Becher Schlagobers und den Rum einrühren. Auskühlen lassen. Vanilleschote entfernen. Die gesamte Masse in einen Mixer umfüllen oder mit dem Pürierstab mixen, bis eine homogene Masse entsteht. Im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Rechtzeitig vor dem Servieren die Schokosauce zubereiten: Wasser und Zucker aufkochen, 5 min. köcheln lassen, Kakaopulver einrühren, noch einmal aufkochen. 10 min. überkühlen lassen, dann die Schokolade unterrühren. Abkühlen lassen.

Nun den zweiten Becher Schlagobers schlagen. Nicht zu steif! Es soll keine ganz festen Spitzen haben, sondern noch cremig sein. In Espuma-Flaschen wird mir das Schlagobers meist zu fest, daher mache ich das immer mit dem Handmixer. Das geschlagene Obers auf Gläser oder Dessertschalen aufteilen.

Die Maronicreme in eine Erdäpfelquetsche füllen, dabei eine Scheibe mit mittlerem Lochdurchmesser verwenden. Maronicreme durchquetschen - wenn man treffsicher ist, dann direkt auf das Obers drauf. Sonst in eine Schüssel quetschen und dabei immer wieder den "Reis" von der Quetsche schaben, damit es wirklich Reis wird. Will man lieber lange Würsteln,  muss man durchgehend quetschen, dann kann man schön lange Fäden machen, das sind dann Vermicelles.

Wenn der Maronireis auf dem Schlagobers ist, verteilt man noch die Schokosauce oben drüber. Genießen und glückselig seufzen ... ❤️

 

Nun noch ein Insidertipp: Statt der Schokosauce kann man auch Dirndlmus bzw. Dirndlsauce nehmen. Diese Variante schmeckt zum Umfallen gut!

Montag, 13. November 2017

Blunzenfleischlaberl mit so Sachen

Eigentlich habe ich das Rezept ja schon einige Male nachgekocht, nachdem ich es bei Petra gesehen hatte. Ich bin aber eher die Beilagen- als die Fleischesserin, daher hat mir noch das Tüpfelchen auf dem I gefehlt, das in Form von Margaretas Sauerkrautbratäpfeln auf dem Teller gelandet ist. Wie immer hat mich meine Bloggerkrankheit befallen, dass ich nur sehr schlecht nach Rezept kochen kann, und ich habe mehr als genug geändert. Wer die Originalrezepte sehen will, braucht nur die Links anclicken!
Es ist übrigens so viel Arbeit wie sich das liest, also nichts für einen Wochentag, wenn man geschlaucht von der Arbeit heimkommt, sondern für "ich will wieder einmal was schönes Rustikales kochen". Es ist ein Essen, das sich auch für Gäste eignet.

Das war noch die apfellose Variante


4 - 6 Portionen

Für die Laberln:
60 g (= ca. 1 Stück) Semmel vom Vortag, in Milch eingeweicht und gut ausgedrückt
1 große Rote Zwiebel, fein gewürfelt
500 Gramm faschiertes Schweinefleisch
2 Eier
1 EL Majoran
2 TL Estragon-Senf
200 g Blunze (Deutsche nehmen Blutwurst), in winzigen Würfelrn
1 kräftige Prise Piment d'Espelette
Butterschmalz zum Braten

Für die Erdäpfeln:
1 kg nicht zu große, fest kochende Erdäpfel (ca. 8 Stück  je 100 bis 150 g)
Olivenöl zum Bestreichen
Salz

Für die Apfel-Sauerkraut-Sauce:
1 EL Öl
2 Schalotten, fein gewürfelt
ausgehöltes Innenleben von vier kleinen Äpfeln (macht man die Äpfel als Beilage nicht, nimmt man einen geschälten Apfel)
200 ml Weißwein
400 g Sauerkraut inklusive Sauerkrautsaft
4 Teel. Speisestärke, angerührt in 50 ml Apfelaft zum Binden
400 ml Obers (Schlag- oder Kaffeeobers)
4 angequetschte Wacholderbeeren
Salz
Pfeffer
1 Prise Zucker

4 kleine säuerliche Äpfel
200 Gramm Sauerkraut
1 Zwiebel
1 ELÖl
100 ml Apfelsaft
½ Lorbeerblatt
100 Gramm Creme fraîche
Salz

Frischer Majoran, Blättchen abgezupft, zum Bestreuen


Für die Laberln das Faschierte, ausgedrücktes Semmel, Zwiebelwürfel, Eier, Majoran und Senf gut verkneten, dann die Blunze daruntermischen, mit Salz und Piment d'Espelette würzen. Aus der Masse mit feuchten Händen 12 kleine Laberl formen, auf eine Platte legen, mit Folie abdecken, kalt stellen.

Für die Erdäpfel und die Sauerkrautäpfel den Backofen auf 200°C vorheizen. Die Erdäpfel im Abstand von 2 mm quer einschneiden. Ein Grillspieß oder Essstäbchen links und rechts vom Erdäpfel hingelegt hilft, dass man nie ganz durchschneidet, sondern nur bis knapp über dem Boden. Die Erdäpfel mit den Schnitten nach oben in eine feuerfeste Form legen. Mit Öl einpinseln und für ca. eine halbe Stunde ins Rohr schieben. Ab dann sollte man sich den Küchenwecker auf 15 min. stellen und dann die Erdäpfel immer wieder mit Öl bepinseln. Sie brauchen etwa eine weitere Stunde. Gegen Ende aufpassen, dass die Erdäpfel knusprig sind, aber nicht anbrennen.

Für die Sauerkrautäpfel die Äpfel waschen, das Kerngehäuse ausstechen und dann mit einem Kugelausstecher so viel Fruchtfleisch wie möglich aus dem Apfel herausstechen. Es sollte etwas ein Rand von 1 cm stehen bleiben, damit die Äpfel noch ausreichend Stand haben. Das Fruchtfleisch gleich in einen Zerkleinerer geben.
Zwiebel klein schneiden, in Öl anschwitzen. Das Sauerkraut etliche Male durchschneiden, zur Zwiebel geben, mit Apfelsaft aufgießen, Lorbeerblatt dazugeben, salzen, alles ca. 10 min. offen dünsten. Der Apfelsaft sollte dann ziemlich verdunstet sein. Die Hälfte von der Creme fraîche unterrühren. Lorbeerblatt herausnehmen.
Die Sauerkrautmasse in die vorbereiteten Äpfel füllen, die zweite Hälfte von der Creme fraîche oben auf die Äpfel setzen. Äpfel in eine feuerfeste Form füllen. Nach ca. der halben Erdäpfelbratzeit die Form zu den Erdäpfeln ins Rohr stellen. Wenn nötig nach einiger Zeit mit Folie abdecken, falls das Creme-fraîche-Häubchen zu dunkel werden sollte. 

Für die Sauce in einem Topf die Schalotten in Öl anschwitzen. Mit Sauerkraut und Sauerkrautsaft zu den Apfelabschnitten in den Mixer geben und alles zu einer homogenen Masse mixen. Wieder zurück in den Topf geben, mit Weißwein aufgießen, Wacholderbeeren dazugeben und alles ca. um ⅓ einkochen lassen. Mit Obers aufgießen, alles aufkochen. Wacholderbeeren entfernen. Stärke im kalten Apfelsaft anrühren, die Sauce damit binden. Es sollte eine dickflüssige Sauce entstehen. Wenn nötig, kann man sie noch ein bisschen einkochen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

Zum Herausbacken der Laberl 3 - 4 EL Butterschmalz schmelzen, die Laberl auf jeder Seite 3-4 min. backen.

Majoran waschen, trocken tupfen, die Blättchen abzupfen.

Auf jeden Teller einen Saucenspiegel geben, Laberln, Erdäpfel und Äpfel drauf verteilen. Mit Majoranblättchen dekorieren. Restliche Sauce in einer Sauciere sevieren.


Und hier die Variante für BeilagenliebhaberInnen





Freitag, 10. November 2017

[Urlaub] Kairo - Wechselbad der Gefühle


Ja, Kairo. Keine Stadt, die ich sonst kenne, weckt so viele gegensätzlichen Gefühle in mir. Einerseits ist es zum Davonrennen: Es hat im Großraum zwischen 16 und 30 Millionen Einwohner - genauer weiß das niemand. Ein Moloch aus Lärm, Dreck, Chaos, eine männerdominierte Welt. Dennoch: Ich habe dort Gastfreundschaft gefunden, die mir bis jetzt noch Tränen in den Augen aufsteigen lässt, wenn ich daran denke. Und nicht zuletzt habe ich 1001 Nacht gefunden,  denn die Altstadt ist ein Kleinod, wie ich es noch nie gesehen habe.




Es gibt Wunderlichkeiten, die bei näherem Hinsehen alle einen Sinn ergeben: So ein Sessel ist kein Müll, der einfach so auf der Straße steht, sondern da sitzt normalerweise der Hausmeister eines Hauses und überwacht, was sich da so tut, nimmt die Post für Hausbewohner entgegen und dirigert die Autoeinparker: In Straßen, in denen geparkt werden darf, muss die Handbremse immer gelöst bleiben. Autoeinparker schieben die Autos hin und her, damit sie Stoßstange an Stoßstange stehen, um möglichst viele Autos unterbringen zu können. Wo das jeweilige Auto dann steht, weiß eben der Hausmeister.



Solche riesige Ballen mit Baumwolle werden immer noch transportiert wie im Mittelalter: Frauen tragen sie auf dem Kopf. Der Verkauf liegt Männerhänden.

Um die Rolle der Frau zu veranschaulichen: Vor zwei Wochen wurde in Ägypten eine Fernsehmoderatorin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie gesagt hatte, dass Frauen ihre Kinder auch ohne Männer aufziehen können.



Und mitten in dem ganzen Durcheinander wachsen solche Bäume, die im November noch bunt blühen. So ein Anblick versöhnt mich sofort wieder mit der Stadt. Anfangs konnte ich es gar nicht glauben, so unwirklich schön blühen viele Bäume dort.



Die ganze Stadt ist eine riesige Baustelle: Wann immer jemand ein wenig Geld hat, wird ein Haus gebaut. Und diese Häuser schauen alle gleich aus!
Will jemand einziehen, muss er sich selber seine Fenster einmauern und zahlt an den Hauserbauer Miete. Eine junge Frau hat mir erzählt, wenn sie heiraten würde, dann würden ihre Eltern einfach auf das Haus, in dem sie jetzt mit ihnen lebt, einen Stock draufmauern, da könnte sie dann einziehen. Das Haus gehört aber niemanden aus der Familie.



Die alte Innenstadt ist ein Kleinod! Wunderbare 1000 Jahre alte Bauten säumen die Straßen und man kann sich gar nicht daran stattsehen. Mit unglaublicher Sorgfalt ist jedes Detail gearbeitet: solche Handwerkskunst, die großteils erhalten ist, ist ein Wunder.



Kairos Katzen: Sonderzahl sind sie in der ganzen Stadt anzutreffen. Junge Katzen, selber noch Kinder, sind schon wieder trächtig. Der höllische Verkehr wird den meisten von ihnen zur Todesfalle.



Der Nil ist bei Kairo schon wahnsinnig breit, beginnt sich sein Delta doch bald nach Kairo aufzufächern, um dann zu einer unüberblickbaren Wassermenge zu werden, die vom Meer kaum noch zu unterscheiden ist.

Zugang zu Trinkwasser haben 85 % der Bevölkerung, die restlichen 15 % beziehen ihr Trinkwasser aus dem Nil. Es gibt den Spruch in Kairo, wenn man Wasser aus dem Nil trinkt, dann wird man bald Teil des Flusses sein.



Leider - oder Gott sei Dank - habe ich kein Foto, auf dem es verkehrstechnisch wirklich wild zugeht, denn wenn aus zwei Spuren auf einer innerstädtischen Autobahn vier gemacht werden und eine davon entgegen der Fahrtrichtung geht, dazwischen Eselsgespanne fahren und Leute mit ihren Handkarren auf der Straße Essen verkaufen, dann kann ich kein Foto machen, da hab ich einfach Angst. Das, was man hier sieht, dass Leute außen an Fahrzeugen mitfahren, ist an der Tagesordnung. Dazu muss man wissen, dass oft Löcher und immer wieder Schwellen in der Fahrbahn sind, die gewaltig rumpeln. Und es wird wirklich nicht langsam gefahren. Wie viele Unfälle passieren? Viele! Die Statistiken sind katastrophal!



Ein antikes Frauenfenster: Eingesperrt in ihren nicht allzu goldenen Käfig konnten die Frauen Blicke auf die Vorbeigehenden werfen, ohne selbst gesehen zu werden.
Derzeit ist es so, dass ca. 80 % der Frauen in Kairo mit Kopftuch gehen, 10 % mit Niqab und 10 % ohne Kopfbedeckung - die Sichtbarkeit hat sich ein wenig verbessert, aber dennoch ist von Gleichberechtigung keine Rede.



Eine Gewürzhandlung: Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich so etwas wunderschön finde, aber im Leben würde ich mir dort nichts kaufen. Den ganzen Tag sind die Produkte dem Straßenstaub ausgesetzt, kein Mensch weiß, wie lange die Sachen schon dort liegen. Außer ein paar ahnungslosen Touristen, die derzeit in Kairo kaum zu finden sind, kauft niemand etwas.
Es gibt auch recht wenige Gewürzhandlungen im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern, wo das Angebot deutlich üppiger ist. Und man merkt es auch an der ägyptischen Küche, dass Gewürze da nicht unbedingt ihr Zuhause haben.


Dieses Foto und das nächste zeigen sehr gut, wie widersprüchlich Kairo ist: Das obere Foto ist keine Müllhalde, sondern ein ganz normales Kaffeehaus, das von Männern gut frequentiert ist, die dort Wasserpfeife rauchen und Brettspiele spielen.



Und hier dieses 1001 Nacht, das ich vorhin angesprochen habe. Wunderschöne Pölster, in akribischer Handarbeit gefertigt, dazu Tischchen mit Holzeinlegearbeiten und fein ziselierten Tellern. Hier sieht man auch die eine oder andere Frau.



Ein Campus in Kairo: Hier verschiebt sich der Anteil der Frauen mit Kopftuch/ohne Kopftuch ein kleines bisschen zugunsten sichtbarer Frauen. Dennoch: Zwei Drittel der Studierenden sind männlich. Im Alltag ist es so, dass ca. 50 % der Frauen Arbeit finden. Der Rest ist angewiesen auf Männer. Sie haben keine Krankenversicherung und schon gar kein Anrecht auf Pension.

Überall wurde ich übrigens mit "Mrs. VornamevomTurbohausmann" angesprochen. Man verliert in Ägypten sogar den eigenen Namen und wird zu einem Anhängsel des Mannes.



Inmitten des höllischen Verkehrs finden sich immer wieder Bauern aus der Umgebung, die das zu verkaufen versuchen, was gerade am eigenen Feld oder am Baum wächst. Mein Eindruck war, dass sehr viele Lebensmitteleinkäufe tatsächlich auf der Straße gemacht werden. Einkäufe in Supermärkten zu machen, bleibt einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten.



Eine drei bis vier Meter hohe Türe in der Altstadt: Viele solche Türen sichern bis heute alte Paläste und andere wunderschöne Gebäude. Bis ins kleinste Detail mit Einlegearbeiten verziert, einfach nur traumhaft. Und damit man so ein Gebäude dann zuverlässig schließen kann, wurden in viele dieser  Türen Löcher geschlagen, durch die man massive Ketten ziehen kann, die dann mit einem Vorhängeschloss abgeschlossen werden.



In der Altstadt haben wir an einem Abend in einer alten Caravanserai eine Show gesehen, die mich für alle Zeiten mit arabischer Musik versöhnt hat. Wir waren die einzigen Touristen dort - kaum jemandem fällt zwischen den ganzen blinkenden Leuchtschriften diese dezente alte Türe auf, die uns in einen riesigen Innenhof führte, in dem ganz hochkarätige Musiker aus dem ganzen Land musizierten und tanzten.





Meine Wenigkeit durfte sich öfters in so einen kleidsamen Ganzkörpersack hüllen, um in heilige Gebäude zu kommen. In besonders heilige Stätten dürfen Frauen aber auch nicht mit Niqab bzw. sind besonders heilige Gegenstände in dem Teil der Moscheen, in den nur Männer Zugang haben.

Es war ein sehr einprägsames Erlebnis, mit Niqab herumzugehen, wenn man beim Gehen mit den Beinen nicht ausholen kann, soweit man will, und wo der Blick nach vorne gerichtet bleiben muss, denn bei jeder Kopfdrehung rutscht der Stoff über das Gesicht.

Es war eine wunderbare und extrem lehrreiche Zeit, die ich auf keinen Fall missen will. Man bekommt wieder den Kopf zurecht gerückt und lernt, dem Schicksal sehr dankbar zu sein. Mein Dank gilt meinen "Three Monkeys": Drei junge Wissenschaftlerinnen, die mich unermüdlich durch ihre Stadt geführt haben, mir meinen Vornamen wiedergegeben haben, meine Tritte ins Fettnäpfchen ertrugen und mir gezeigt haben, wie man trotz widrigster Umstände mit sehr viel Humor durch das Leben gehen kann.

Dienstag, 7. November 2017

Donna Hays Baiser

Jetzt bin ich irgendwie in der Bredouille gelandet: Ich habe in meiner Buchbesprechung vom neuen Donna Hay-Kochbuch Von einfach zu brillant die mir leider missglückten Baisers gezeigt - Umluft statt Ober-Unterhitze erwischt und schon waren die Baisers statt makellos weiß schön braun wie nach einem Strandurlaub. Aber sie waren so gut, dass ich sie nicht einfach unterschlagen wollte: mit Pistazien oben drauf und mit Rosenwasser drinnen. Dann kam der Felix und bat um das Rezept. Und das mir, wo ich noch nie strahlend weiße Pavlovas oder Baisers zusammengebracht habe! Also frisch ans Werk! Eiklar habe ich ja ohnehin immer zu viel.

Wie man auf dem ersten Foto sehen kann, sind die Baisers wieder nicht strahlend weiß geworden. Mittlerweile bin ich aber sehr sicher, dass das an meinem Backrohr liegt. Ich habe nun schon so viele Rezepte gemacht und nie, aber wirklich nie sind sie strahlend weiß geworden. Die Temperatur ist zum Teil bei Donna Hay niedriger als bei manchen anderen Rezepten: Oft findet man, dass das Backrohr auf 160 Grad vorgeheizt wird und dann auf 120 Grad reduziert, sie heizt nur auf 150 Grad vor. Das heißt, daran liegt es sicher nicht, dass die Baisers zu heiß gebacken werden würden. Mein Backrohr ist nun auch nicht mehr das neueste Modell, daher wird es wohl eher daran liegen.



Für ca. 6 - 8 Portionen:
225 ml Eiklar (von ca. 6 Eiern)
330 g Zucker
1 EL Maisstärke
1 ½ TL heller Essig

Für die Rosenwasser-Variante:
½ TL Rosenwasser
65 g gehobelte oder gehackte Pistazien

Backrohr auf 150 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Das Eiklar mit dem Handrührgerät zu weichem Schnee aufschlagen, dann löffelweise unter ständigem Rühren den Zucker einarbeiten. Nur dann Zucker neu dazugeben, wenn der andere Zucker schon ganz aufgelöst ist. Das kann man testen, indem man eine kleine Menge vom Eischnee nimmt und zwischen den Fingern zerreibt. Spürt man dabei noch Zuckerkörner, muss man noch weiterrühren, bevor man neuen Zucker zugibt.
Diese Baisermasse noch 10 - 15 min. weiter schlagen.
Essig und Maisstärke vermischen und zum Baiser geben, ca. 30 sek. rühren, bis alles gut vermischt ist.

Für Pavlovas ist die Masse nun fertig und kann auf ein Backblech verteilt werden.

Für die Rosenwasser-Variante das Rosenwasser in die Baiser-Masse einarbeiten. Ebenfalls auf dem Backblech verteilen, mit den Pistazien bestreuen.

Das Blech ins Rohr schieben und auf 120 Grad herunterdrehen. Ca. eine Stunde backen, dann das Rohr abdrehen und die Baisers im Rohr auskühlen lassen.




Ich habe beide Varianten auf einmal gemacht und nur mit 3 Eiklar gearbeitet. Das reicht für 2 x 2 üppige Desserts. Die Pavlovas habe ich versucht so aufzudressieren, dass die innen niedriger sind als außen, damit das Schlagobers nicht drüberrinnt, sondern innen gefangen bleibt. Es ist mir nicht einigermaßen gelungen, aber auch das ist noch ausbaubar.

Die fertigen Baisers haben in einem luftdicht verschlossenen Behälter gut bis zum nächsten Tag gehalten. Sie waren immer noch außen knusprig und innen weich.

Die Rosenwasser-Pistazien-Variante schmeckt sehr, sehr interessant. So richtig nach Urlaub und 1001 Nacht. Dem Turbohausmann und mir haben sie wahnsinnig gut geschmeckt.

Die Variante Himbeere-Maracuja auf ungezuckertem Schlagobers kann ich für Pavlovas wärmstens empfehlen. Donna Hay nimmt noch Pfirsiche dazu. Das werde ich ganz sicher im nächsten Sommer ausprobieren. Vielleicht kann ich bist dahin ja Baisers, die weiß bleiben ...

Samstag, 4. November 2017

Donna Hays Pancakes



Der Herbst ist ein Maler! Und ich mag ihn, wenn es so ist wie jetzt gerade.  Der Himmel blitzblau, die Bäume verfärben sich von leuchtend gelb bis dunkelrot. Hier auf dem Foto sieht man meine Walking-Runde: Im Frühling sind die Bäume rechts mit dicken Zierkirschenblüten bedeckt und ich habe das unglaubliche Vergnügen, gegen Ende der Blütezeit auf einem richtigen Teppich aus rosa Blättern gehen zu können. Nun ist der Herbst da und die Bäume zeigen noch einmal, was sie alles können: golden glänzen sie in der Sonne.

Nach so einer Runde angenehm müde und verschwitzt heimkommen, duschen und dann kommt die Belohnung. Zum Beispiel in Form von Pancakes. Donna Hays Pancakes. Das bedeute schnelle Zubereitung und Gelingsicherheit. Auf dass einem das Wohlfühlen nicht abhanden kommt, sondern noch ein wenig gesteigert wird.



Grundrezept für 12 Stück:
110 g Mehl
2 TL Backpulver
75 g Zucker
180 ml Buttermilch
2 Eier, getrennt in Eiklar und Eigelb

Zum Backen Öl, geschmacksneutral


Alles bis auf die Eiweiße zu einem glatten Teig verrühren. Eiklar mit dem Handrührgerät steif schlagen. Den Eischnee behutsam unter den Teig heben. Mit einem Esslöffel in einer Pfanne mit wenig geschmacksneutralem Öl Pancakes von jeder Seite 3 - 4 Minuten backen.



Mit Ahornsirup oder Staubzucker kann man sich die Pancakes noch versüßen. Und wenn man Glück hat, dann hat man zitrussiges Weinbergpfirsichkompott  gemacht, das man dann zu den Pancakes genießen kann (Rezept nach Nikolaus Tomisch in Selbstgemacht im Glas).